Tschernobyl-Expeditionen in ein verlorenes Land
Vom 18. Dezember 2011 bis zum 18. März 2012 zeigt die Ethnologische Sammlung der Städtischen Museen Freiburg die Sonderausstellung "Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land" im Augustinermuseum. Das internationale Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Lemberg/Lviv, dem Studienzentrum für Geschichte und Kultur der osteuropäischen Juden, Kiew, und der Nationalen Vernadsky-Bibliothek der Ukraine, Kiew.
Seit 25 Jahren hat sich der Name Tschernobyl in unser Gedächtnis eingebrannt, ist zum Synonym für Zerstörung geworden. Aber was war vorher? Wie die heutige "Zone" früher aussah, wessen Heimat sie war und welche unglaublich facettenreiche Kultur dort ausgelöscht wurde, ist kaum bekannt. Dass Tschernobyl beispielsweise ein klassisches jüdisches Schtetl war und noch heute für viele ein heiliger Ort ist, wissen nur wenige. Die Region Polissja, in deren Herzen die Stadt liegt, wird nun erstmals in Deutschland vorgestellt. Hier lebten einst unterschiedliche Nationalitäten und Glaubensgemeinschaften friedlich zusammen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die ländliche Zivilisation der ukrainischen Bauern und die kleinstädtische, von Handel, Handwerk und ihrer religiösen Identität geprägte Kultur der jüdischen Minderheit. Zahlreiche Exponate, die schon lange vor dem GAU von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Museums für Ethnographie und Kunsthandwerk am Institut für Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Ukraine zusammengetragen wurden, erzählen Lebensgeschichten, veranschaulichen die gesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungen. In einer aufwändigen, spannungsreichen Inszenierung ergänzen hinterleuchtete Panoramen, Fotos und Filme die Schau.
Für Erwachsene, Familien, Schulen und Kindergärten steht ein umfangreiches Vermittlungsprogramm zur Verfügung. Öffentliche Führungen finden donnerstags um 15 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr statt. Am 14. Januar, 11. Februar und 10. März, alles Samstage, werden um 15 Uhr Führungen in russischer bzw. ukrainischer Sprache angeboten. Das Augustinermuseum, Augustinerplatz, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Unter 18 Jahren und mit Museumspass ist der Eintritt frei.
Die Ausstellung findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Tschernobyl 25 Expeditionen" statt.


