|
Strom wird in Deutschland an der Leipziger Strombörse gehandelt (auch der über Kontrakte außerhalb gehandelte Strom orientiert sich an den aktuellen Preisen der Strombörse). Aus Erneuerbaren Energieträgern gewonnener Strom wird vorrangig ins Netz eingespeist und nach festen Fördersätzen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG vergütet. Der Wirtschaftsverband für Erneuerbare Energien Region Freiburg weist darauf hin, dass der Endverbraucher unterm Strich trotz dieser Vergütung weniger für seinen Strom zahlen muss – allerdings nur, wenn sein Energieversorger den niedrigeren Preis weitergibt.
Das liegt am so genannten Merit-Order-Effekt: Als Merit-Order wird die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke an der Strombörse bezeichnet. Der Preis für Strom wird immer durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu decken. Aufgrund der vorrangigen EEG-Einspeisung werden die verbliebenen teuersten konventionellen Kraftwerke aus dem Markt genommen. Der Merit-Order-Effekt bewirkt nun, dass durch die Einspeisung Erneuerbarer Energien der Strompreis an der Börse sinken kann. Wenn z. B. viel Windstrom eingespeist wird, dann sinkt der Börsenpreis. Das geschieht relativ häufig.
Der Wirtschaftsverband 100 Prozent wundert sich nun darüber, dass dieser Preissenkungseffekt von einigen regionalen Energieversorgern verschwiegen wird. In einem Schreiben an ihre jeweiligen Kunden zum Jahreswechsel stellen sowohl das E-Werk Mittelbaden als auch der Energiedienst aus Rheinfelden die Situation verzerrt dar: Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien entstünden höhere Stromkosten, die ihre Kunden tragen müssten.
Der Geschäftsführer der 100 Prozent GmbH Per Klabundt stellt dazu fest: „Das Gegenteil ist der Fall. In Wahrheit senken Erneuerbare Energien die Stromkosten. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien mit Hilfe des EEG rechnet sich für den Endverbraucher. Der Erfahrungsbericht des Bundesumweltministeriums kommt bereits für 2006 zu folgendem Ergebnis: Mehrkosten von 3,3 Mrd. € durch die EEG-Vergütung stehen Kosteneinsparungen durch den Merit-Order-Effekt in Höhe von 5,0 Mrd. € entgegen.“
Die 100 Prozent GmbH fordert die Energieversorgungsunternehmen auf, nicht nur Mehrkosten sondern auch Einsparungen transparent zu machen und Preissenkungen an ihre Kunden weiterzugeben, auch an die gewerblichen.
|